
Die Jahresarbeitszahl, kurz JAZ, sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme eine Wärmepumpe über ein ganzes Jahr aus einer Kilowattstunde Strom macht. Sie ist die einzige Kennzahl, die Ihre Stromrechnung wirklich bestimmt. Luft-Wasser-Wärmepumpen in Bestandshäusern kommen im Feldtest des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE im Mittel auf 3,4. Ein guter Wert liegt darüber. Bei einem Wert unter 3 lohnt sich ein zweiter Blick auf die Einstellungen.
Hier steht, was die Zahl bedeutet, warum sie nicht dasselbe ist wie der COP im Datenblatt, welche Werte im Altbau realistisch sind und wie Sie Ihre eigene JAZ nachmessen. Wie Sie die Zahl verbessern, steht im Ratgeber zur Vorlauftemperatur: Dort sitzt die wichtigste Stellschraube.
Was ist die Jahresarbeitszahl?
Die Rechnung ist einfach: Wärme, die die Anlage im Jahr ins Haus gebracht hat, geteilt durch den Strom, den sie dafür gebraucht hat. Ein Beispiel: Ein Einfamilienhaus braucht 16.000 Kilowattstunden Wärme im Jahr, das entspricht ungefähr 20.000 Kilowattstunden Gas bei einem älteren Kessel. Mit einer JAZ von 3,4 braucht die Wärmepumpe dafür rund 4.700 Kilowattstunden Strom. Den Rest holt sie kostenlos aus der Außenluft. Wie das technisch funktioniert, erklärt unsere Seite zur Funktionsweise der Wärmepumpe.
Weil die JAZ über zwölf Monate gemittelt ist, steckt alles darin: der milde Oktober mit hohen Werten, die Frostwoche im Januar mit niedrigen, das Warmwasser im Sommer. Ein einzelner Wintertag sagt deshalb wenig. Wer im Januar die Momentanwerte im Display abliest und sich erschrickt, misst am falschen Tag. Mehr dazu im Ratgeber zum Stromverbrauch im Winter.
JAZ, COP und SCOP: Was ist der Unterschied?
Im Datenblatt steht selten die JAZ. Dort stehen COP und SCOP, und beide klingen nach demselben. Sie sind es nicht.
Der COP ist eine Momentaufnahme vom Prüfstand nach DIN EN 14511. Gemessen wird bei festen Bedingungen, etwa A2/W35: 2 Grad Außenluft, 35 Grad Heizwasser. Er sagt, wie effizient das Gerät in genau diesem einen Betriebspunkt arbeitet. Prospekte nennen gern den Punkt A7/W35, weil die Werte bei 7 Grad Außenluft besonders hoch ausfallen.
Der SCOP nach DIN EN 14825 rechnet mehrere solcher Prüfpunkte über ein genormtes Klima und eine idealisierte Heizkurve auf ein Jahr hoch, getrennt für 35 und 55 Grad Heizwasser. Er kommt der JAZ näher, bleibt aber eine Rechnung mit einem Normhaus. Aus ihm wird auch die Effizienzklasse auf dem Energielabel abgeleitet.
Die JAZ dagegen wird in Ihrem Haus gemessen, mit Ihrem Warmwasser, Ihren Heizkörpern und Ihrem Wetter. Daneben gibt es noch die rechnerische JAZ nach VDI 4650 Blatt 1. Sie ist eine Prognose vor dem Einbau, mit der der Fachbetrieb für den Förderantrag nachweist, dass die Anlage effizient genug geplant ist. Ein Messwert ist auch sie nicht.
Was ist eine gute Jahresarbeitszahl?
Den belastbarsten Maßstab für den Bestand liefert der Fraunhofer-Feldtest „WP-QS im Bestand“. Die Messtechniker haben von 2021 bis 2024 insgesamt 77 Wärmepumpen in bewohnten Ein- bis Dreifamilienhäusern der Baujahre 1826 bis 2001 vermessen. Für das Jahr 2024 vollständig ausgewertet wurden 49 Luft-Wasser-Wärmepumpen. Sie kamen im Mittel auf eine JAZ von 3,4, die Spanne reichte von 2,6 bis 4,9. Einen Zusammenhang zwischen Baujahr des Hauses und Effizienz fanden die Forscher nicht.
Die mittlere Hälfte der Luft-Wasser-Anlagen lag zwischen 3,0 und 3,7, den Höchstwert von 4,9 werten die Forscher selbst als Ausreißer. Erdwärmepumpen kamen auf 4,3, bei einer Spanne von 3,6 bis 5,4. Und 2024 war ein mildes Jahr. In einem kalten Winter fällt die JAZ derselben Anlage etwas niedriger aus.
Aus diesen Messwerten und unserer Erfahrung mit Bestandsanlagen ergibt sich für Luft-Wasser-Wärmepumpen eine einfache Einordnung:
- unter 3: auffällig. Heizkurve, Warmwasser und Taktung sollte ein Fachbetrieb prüfen.
- 3 bis 3,5: üblich für ein Haus mit Heizkörpern.
- 3,5 bis 4: gut. Meist sind das Häuser mit niedriger Vorlauftemperatur und sauber eingestellter Anlage.
- über 4: sehr gut, im Bestand meist nur mit Fußbodenheizung oder groß dimensionierten Heizkörpern.
Die KfW-Heizungsförderung verlangt bei der Auslegung eine rechnerische Jahresarbeitszahl von mindestens 3,0. Das ist eine Planungsvorgabe, kein Messwert, den später jemand kontrolliert. Was gefördert wird und in welcher Höhe, steht auf unserer Seite zur Förderung.
Warum der Wert aus dem Prospekt im Altbau selten erreicht wird
Wer im Angebot einen SCOP von 4,8 liest und nach dem ersten Jahr eine JAZ von 3,4 ausrechnet, ist nicht betrogen worden. Die beiden Zahlen messen Verschiedenes, und im Altbau kommt einiges zusammen, was der Prüfstand nicht kennt.
Da ist zuerst das Warmwasser. Für Duschwasser muss die Wärmepumpe auf rund 48 Grad heizen statt auf 35, und das kostet Effizienz. Im Fraunhofer-Feldtest erreichten die Luft-Wasser-Anlagen bei der Raumheizung allein eine JAZ von 3,9, beim Warmwasser allein 2,8. Zusammen ergab das 3,4. Das Warmwasser machte dabei nur ein knappes Fünftel der Wärme aus.
Dazu kommt die Heizkurve. Der SCOP rechnet mit einer idealisierten Kurve, das echte Haus hält sich nicht daran. Fraunhofer hat gemessen, dass der Vorlauf bei 10 Grad Außentemperatur 5 bis 10 Kelvin höher lag, als die Norm annimmt. Und viele Datenblätter nennen den Wert für 35 Grad Vorlauf, während ein Haus mit Heizkörpern an kalten Tagen 45 bis 55 Grad braucht.
Bleibt der Heizstab. In sauber eingestellten Anlagen spielt er kaum eine Rolle: Im Feldtest lag sein Anteil bei Luft-Wasser-Geräten bei 1,3 Prozent des Stroms. Die Ausnahme zeigt, was passiert, wenn er zu oft anspringt. Bei der Anlage mit dem höchsten Anteil, knapp 17 Prozent, sank die JAZ von 4,5 auf 3,7. Ein Heizstab, der bei jedem Frost läuft, deutet auf einen Einstellungs- oder Auslegungsfehler.
Die Vorlauftemperatur entscheidet über die JAZ
Eine Wärmepumpe hebt Wärme von der Außentemperatur auf die Heiztemperatur. Je größer dieser Sprung, desto mehr Strom kostet jede Kilowattstunde Wärme. Deshalb ist die Vorlauftemperatur der größte einzelne Hebel auf die JAZ, größer als Marke, Modell oder Kältemittel.
Der Fraunhofer-Feldtest zeigt das deutlich. Anlagen mit einer mittleren Heizkreistemperatur unter 35 Grad erreichten eine JAZ von 3,7, Anlagen darüber lagen im Median bei 3,0. Im Mittel lagen zwischen beiden Gruppen rund acht Kelvin. Eine feste Prozentzahl je Grad, wie sie in vielen Ratgebern steht, gibt die Messung nicht her, dafür streuen die einzelnen Anlagen zu stark. Die Richtung ist aber über den ganzen Datensatz eindeutig: Je niedriger die Heiztemperatur, desto höher die JAZ.
Für Altbauten ist das weniger bedrohlich, als es klingt. Die meisten Häuser brauchen weniger, als der alte Kessel eingestellt hatte. Im Feldtest lag die Heizkreistemperatur, gemittelt aus Vor- und Rücklauf, bei rund 36 Grad, der Vorlauf allein im Mittel bei gut 38 Grad. Ob Ihre Heizkörper reichen, prüfen Sie im Winter selbst, indem Sie den Vorlauf der alten Heizung schrittweise absenken. Wie das geht, steht im Ratgeber zur Vorlauftemperatur. Reicht ein einzelner Raum nicht, wird gezielt dieser Heizkörper getauscht, nicht alle. Dazu gehört ein hydraulischer Abgleich, damit jeder Heizkörper die Wassermenge bekommt, die er braucht.
So messen Sie Ihre eigene Jahresarbeitszahl
Sie brauchen zwei Zahlen über zwölf Monate: die erzeugte Wärme und den verbrauchten Strom. Am einfachsten lesen Sie beide Zähler einmal im Jahr am selben Tag ab und teilen die Differenzen durcheinander.
Den Strom liefert ein eigener Zähler für die Wärmepumpe, den die meisten Anlagen wegen des Wärmepumpentarifs ohnehin haben. Ob Sie einen brauchen, steht im Ratgeber Benötigt eine Wärmepumpe einen eigenen Stromzähler?. Die Wärme zeigt ein Wärmemengenzähler im Heizkreis. Bei geförderten Anlagen ist die Messung Pflicht: Die Förderrichtlinie verlangt, dass Stromverbrauch und erzeugte Wärme erfasst und angezeigt werden.
Viele Regler zeigen die JAZ auch selbst an. Das ist bequem, aber oft ein Rechenwert aus internen Fühlern und keine echte Messung. Ein Abgleich mit den beiden Zählern ist deshalb sinnvoll. Erwarten Sie keine Genauigkeit auf die Kommastelle: Selbst die Messtechnik im Fraunhofer-Feldtest hatte eine Fehlergrenze von bis zu 4,4 Prozent. Ob Ihre Anlage 3,3 oder 3,4 schafft, ist also Rauschen. Ob sie 2,7 oder 3,7 schafft, ist ein echter Unterschied.
Achten Sie beim Vergleich darauf, was mitgezählt wird. Misst der Wärmemengenzähler erst hinter einem Pufferspeicher, und zählen die Pumpen beim Strom mit, liegt der Wert im Schnitt um rund 15 Prozent niedriger als bei der Messung direkt am Gerät. Vergleichen Sie Jahre deshalb nur mit derselben Messmethode, und denken Sie an das Wetter: Ein kalter Winter drückt die Zahl, ohne dass an der Anlage etwas falsch ist.
Was die JAZ in Euro bedeutet
Bleiben wir beim Haus mit 16.000 Kilowattstunden Wärmebedarf und rechnen mit 25 Cent je Kilowattstunde im Wärmepumpentarif:
- JAZ 3,0: rund 5.330 Kilowattstunden Strom, etwa 1.330 Euro im Jahr
- JAZ 3,4: rund 4.710 Kilowattstunden Strom, etwa 1.180 Euro im Jahr
- JAZ 4,0: 4.000 Kilowattstunden Strom, etwa 1.000 Euro im Jahr
Zwischen einer mäßig und einer gut eingestellten Anlage liegen also gut 300 Euro im Jahr, über 20 Betriebsjahre rund 6.700 Euro. Zum Vergleich: Dieselbe Wärme aus dem alten Gaskessel kostet bei 13 Cent je Kilowattstunde Gas und 80 Prozent Nutzungsgrad rund 2.600 Euro. Auch eine Wärmepumpe mit mittelmäßiger JAZ ist damit deutlich günstiger als der Kessel. Die JAZ entscheidet nicht darüber, ob sich die Wärmepumpe lohnt, sondern wie viel sie spart. Wie viel Strom Ihr Haus konkret braucht, steht im Ratgeber Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe?, einen passenden Tarif finden Sie über den Ratgeber zum Wärmepumpenstromtarif.
Bei jeder Planung, die wir für unsere Kunden ausarbeiten, rechnen wir deshalb zuerst die Heizlast und die nötige Vorlauftemperatur, dann erst kommt das Gerät. Liegt Ihnen schon ein Angebot vor, prüfen wir es über den Angebots-Check. Und wenn Sie erst wissen wollen, ob eine Wärmepumpe in Ihr Haus passt, dauert der Wärmepumpen-Check zwei Minuten.
Quellen: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Projekt „WP-QS im Bestand“, Abschlussbericht „Wärmepumpen in Bestandsgebäuden“ (2. Fassung vom 25. November 2025) und Presseinformation vom 3. November 2025; Hauptauswertungszeitraum Kalenderjahr 2024. Richtlinie für die Bundesförderung für effiziente Gebäude, Einzelmaßnahmen (BEG EM) vom 17. Juli 2026, Technische Mindestanforderungen Nr. 3.1 und 3.4.6. DIN EN 14511, DIN EN 14825:2023-10, VDI 4650 Blatt 1. Kostenbeispiel mit 25 Cent je Kilowattstunde Wärmepumpenstrom und 13 Cent je Kilowattstunde Gas, Stand Oktober 2026.

Stefan Kathmeyer
Wärmepumpen Spezialist
sk@waermepumpe-installateur.de
Beitrag erstellt am 04.12.2024
Beitrag bearbeitet am 05.10.2026