
Dormagen
Freistehendes Einfamilienhaus von 1980, ca. 140 m²
Panasonic Aquarea Generation L, 7 kW, R290, mit Hydro-Kombi-Innengerät (185 l Trinkwasserspeicher)






Baujahr: 1980
Anzahl Vollgeschosse: 2
Beheizte Wohnfläche: ca. 140 m²
Haushaltsgröße: 2 Personen
Fenster: 2-fach Wärmeschutzverglasung, erneuert 2023
Heizflächen: Heizkörper aus der Bauzeit, Einrohrsystem
Fertigstellung: August 2026
Ausgangssituation
Herr G. aus Dormagen kam mit einer Frage zu uns, die sich gerade viele Hausbesitzer stellen: Die Ölheizung läuft noch, aber wie lange will man das eigentlich noch mitmachen? Im Keller stand ein Öl-Brennwertkessel von 2012, daneben ein Öltank mit 1.200 Litern. Jedes Jahr rund 1.200 Liter Heizöl, jedes Jahr die Tankprüfung, der Schornsteinfeger und der nervöse Blick auf den Ölpreis. Das Warmwasser lief zentral über die Heizung mit.
Das Gebäude selbst hatte schon ein gutes Stück Vorarbeit hinter sich: freistehendes Einfamilienhaus von 1980, zwei Vollgeschosse, rund 140 m². Dach und Fassade sind gedämmt, die Fenster wurden 2023 gegen Zweifach-Wärmeschutzverglasung getauscht. Beheizt wurde über Heizkörper aus der Bauzeit in einem Einrohrsystem, im Winter mit etwa 50 °C Vorlauftemperatur. Auf dem Dach saß eine in die Jahre gekommene Photovoltaikanlage mit rund 5,8 kWp, dazu ein paar Solarthermie-Kollektoren.
Genau an dieser Stelle enden viele Beratungsgespräche mit dem Satz „ohne Fußbodenheizung geht das nicht“. Wir haben stattdessen gerechnet.
Auslegung: erst rechnen, dann installieren
Aus dem Ölverbrauch ergibt sich ein Jahres-Wärmebedarf von rund 11.000 kWh, davon etwa 1.400 kWh für das Warmwasser. Gegengerechnet mit dem spezifischen Wärmebedarf des Hauses landet die Norm-Heizlast bei rund 6,5 bis 7 kW. Also 7 kW. Nicht 9, nicht 12, nur weil eine größere Maschine sicherer klingt.
Vor der Montage haben wir eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 erstellt und den hydraulischen Abgleich nach Verfahren B gerechnet. Das ist kein Papierkram für die Förderung, sondern der Unterschied zwischen einer Wärmepumpe, die bei 50 °C Vorlauf sauber arbeitet, und einer, die den Winter über am Anschlag läuft. Die vorhandenen Heizkörper sind an mehreren Stellen großzügig dimensioniert, das kam der Auslegung entgegen.
Die Lösung
Wärmepumpe. Eingebaut wurde eine Panasonic Aquarea Generation L als Monoblock mit 7 kW und dem natürlichen Kältemittel R290 (Propan). Im Keller steht das Hydro-Kombi-Innengerät mit integriertem 185-Liter-Trinkwasserspeicher: ein Gerät statt zwei, ein Stellplatz weniger, eine Verbindungsleitung weniger. Dazu ein schlanker 50-Liter-Pufferspeicher, ein Schlammabscheider mit Magnetitfilter, Heizungswasser nach VDI 2035 aufbereitet und Rohrleitungen gedämmt nach GEG. Das Außengerät steht auf Antivibrationssockeln an der Kellertreppe.
Rückbau. Ölkessel und der 1.200-Liter-Tank wurden demontiert und fachgerecht entsorgt. Für die Wärmepumpe kam ein neuer Zählerschrank ins Haus.
Photovoltaik. Die alte PV-Anlage und die Solarthermie kamen herunter, die Dachflächen wurden komplett neu belegt: 16,92 kWp mit Wechselrichter Sungrow SH15T und einem Batteriespeicher Sungrow SBR mit 9,6 kWh. Damit deckt das Dach den Strombedarf der Wärmepumpe rechnerisch um ein Mehrfaches.
Schornstein. Ohne Ölkessel wird der Schornstein nicht mehr gebraucht. Der Kunde entschied sich, ihn bei dieser Gelegenheit zurückbauen zu lassen. Der Kopf wurde abgetragen, das Dach an dieser Stelle wieder dicht geschlossen. Der verbliebene Schacht blieb dabei nicht ungenutzt: Er dient jetzt als Kabelweg für die PV-Leitungen vom Dach bis in den Keller. Keine Aufputzkanäle an der Fassade, kein zusätzlicher Wanddurchbruch.
Klimaanlage. Während der Arbeiten kam der Sommer 2026 mit voller Wucht. Wer bei 35 °C im Dachgeschoss steht, denkt schnell weiter als bis zur nächsten Heizperiode. Der Kunde entschied sich kurzfristig für eine Multisplit-Klimaanlage: ein Außengerät mit 4,0 kW und zwei Innengeräte, 3,5 kW im Wohnzimmer und 2,5 kW im Schlafzimmer.
Ergebnis
Aus einem Haus mit Ölheizung, Alt-PV und Solarthermie ist eine zusammenhängende Anlage geworden: Wärme, Strom, Speicher und Kühlung aus einer Hand und über einen Ansprechpartner.
Die jährlichen 1.200 Liter Heizöl entfallen vollständig. Das sind rund 3,2 Tonnen CO₂ weniger pro Jahr. Es entfallen außerdem die Tankprüfung, die Ölbestellung, der Schornsteinfegertermin für die Heizung und die Sorge, was der Ölpreis im nächsten Winter macht. Der rechnerische Strombedarf der Wärmepumpe liegt bei etwa 3.000 kWh pro Jahr, und den erzeugt die neue Photovoltaikanlage über das Jahr gesehen um ein Vielfaches selbst. Was tagsüber übrig bleibt und abends gebraucht wird, puffert der Batteriespeicher.
Die Förderzusage der KfW lag vor Beginn der Arbeiten vor. Wir haben die Bestätigung zum Antrag erstellt und den Kunden durch das Förderverfahren begleitet. Welche Fördersätze aktuell gelten, finden Sie auf unserer Seite zur Wärmepumpen-Förderung.
Das Projekt zeigt zweierlei. Erstens: Eine Einrohrheizung mit Heizkörpern von 1980 ist kein Ausschlusskriterium für eine Wärmepumpe, solange die Heizlast sauber berechnet und die Hydraulik abgeglichen wird. Zweitens: Wenn ohnehin Handwerker am Haus sind, lohnt es sich, die Gewerke zusammenzudenken. Schornsteinrückbau, PV-Kabelweg und Klimaanlage sind hier erst im Verlauf dazugekommen und waren am Ende genau deshalb günstig zu realisieren.







