
Ja, die Stromrechnung steigt im Winter deutlich, und das ist kein Defekt. Eine Wärmepumpe, die im Mai 150 Kilowattstunden zieht, kommt im Januar auf das Sechsfache. Wer diese beiden Monatswerte nebeneinanderlegt und erschrickt, vergleicht nicht die Wärmepumpe mit sich selbst, sondern einen milden Monat mit dem kältesten des Jahres.
Zwei Dinge laufen im Winter zusammen: Das Haus braucht sehr viel mehr Wärme, und die Wärmepumpe arbeitet bei Minusgraden etwas weniger effizient. Beides ist eingeplant und beides lässt sich beziffern. Dieser Artikel rechnet ein normales Einfamilienhaus durch, ordnet Monatswerte ein und zeigt, woran Sie erkennen, ob Ihr Verbrauch im Rahmen liegt. Den Jahresschnitt behandelt Wieviel Strom verbraucht eine Wärmepumpe, hier geht es um die kalten Monate.
Was die Wärmepumpe im Januar wirklich verbraucht
Ausgangslage: Einfamilienhaus, vorher 20.000 Kilowattstunden Gas im Jahr. Bei einem Kesselnutzungsgrad von 80 Prozent, dem oberen Rand des im Bestand Üblichen, braucht das Haus rund 16.000 Kilowattstunden Wärme. Mit einer Jahresarbeitszahl von 3,4 sind das etwa 4.700 Kilowattstunden Strom im Jahr, im Wärmepumpentarif zu 25 Cent also rund 1.185 Euro.
Diese 4.700 Kilowattstunden verteilen sich aber nicht gleichmäßig auf zwölf Monate. Gerechnet mit der Wärmeverteilung nach VDI 2067 und einer Arbeitszahl, die im Winter absinkt, sieht ein normales Jahr so aus:
| Monat | Wärmebedarf | Arbeitszahl | Strom | Kosten |
|---|---|---|---|---|
| Januar | 2.720 kWh | 2,9 | 940 kWh | 235 € |
| Dezember | 2.560 kWh | 3,1 | 825 kWh | 206 € |
| Februar | 2.400 kWh | 3,0 | 800 kWh | 200 € |
| März | 2.080 kWh | 3,5 | 595 kWh | 149 € |
| Oktober | 1.280 kWh | 4,0 | 320 kWh | 80 € |
| Mai | 640 kWh | 4,3 | 150 kWh | 37 € |
| Durchschnittsmonat | 395 kWh | 99 € |
Der Januar liegt beim Zweieinhalbfachen eines Durchschnittsmonats und beim Sechsfachen des Mai. Genau dieser Sprung sorgt für die Anrufe im Februar. Er ist die normale Betriebskurve einer richtig ausgelegten Anlage, kein Warnzeichen. Die Zahlen in der Tabelle sind ein Rechenbeispiel mit realistischen Annahmen, keine Messwerte Ihres Hauses: Ihr Verbrauch fällt anders aus, das Verhältnis zwischen den Monaten bleibt ähnlich.
Warum fast die halbe Heizarbeit in drei Monate fällt
Der Grund liegt nicht an der Technik, sondern am Wetter. Die Gradtagzahlen nach VDI 2067 verteilen den Jahreswärmebedarf auf die Monate, und diese Verteilung ist erstaunlich schief: Dezember 16 Prozent, Januar 17 Prozent, Februar 15 Prozent. Diese drei Monate tragen zusammen 48 Prozent des Jahresbedarfs. Von November bis Februar sind es 60 Prozent.
Ein Haus verbraucht also in vier Monaten fast zwei Drittel seiner Jahreswärme. Das galt für die alte Gasheizung genauso, nur ist es dort niemandem aufgefallen: Gas wird per Abschlag bezahlt und einmal im Jahr abgerechnet. Der Zwischenzähler der Wärmepumpe macht sichtbar, was vorher im Jahresmittel verschwand.
Beim Strom fällt der Winteranteil sogar noch etwas höher aus als beim Wärmebedarf, weil die Arbeitszahl in den kalten Monaten sinkt. Im Beispiel oben entfallen 48 Prozent der Wärme, aber 54 Prozent des Stroms auf Dezember, Januar und Februar.
Bei Minusgraden sinkt die Arbeitszahl, und das ist eingeplant
Eine Wärmepumpe holt Wärme aus der Außenluft und hebt sie auf Heiztemperatur. Je größer der Abstand zwischen Außenluft und Vorlauftemperatur, desto mehr Strom kostet dieser Hub. Bei acht Grad Außentemperatur und 35 Grad Vorlauf arbeitet die Anlage im Bereich von vier bis fünf. Bei minus sieben Grad und derselben Heizkurve landet sie eher bei 2,5 bis 3.
Dazu kommt das Abtauen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und hoher Luftfeuchte setzt sich Reif auf dem Verdampfer ab. Die Anlage dreht dann für ein paar Minuten den Kreislauf um und taut ihn frei. Das kostet Energie und ist trotzdem der günstigere Weg, denn ein vereister Verdampfer nimmt gar keine Wärme mehr auf. Auffällig ist: Abtauzyklen häufen sich nicht bei strengem Frost, sondern bei feuchten drei bis fünf Grad. Mehr dazu unter Wärmepumpe bei Frost und Schnee.
Die Jahresarbeitszahl, die in Angeboten steht, ist bereits der Jahresschnitt aus guten und schlechten Monaten. Sie beschreibt nie den Januar. Wer im Januar eine Momentanleistung abliest und sie gegen die versprochene Jahresarbeitszahl hält, misst am falschen Tag.
Der Heizstab ist der eigentliche Stromfresser
Wenn eine Wärmepumpe im Winter tatsächlich aus dem Ruder läuft, steckt fast immer der elektrische Heizstab dahinter. Er macht aus einer Kilowattstunde Strom exakt eine Kilowattstunde Wärme, arbeitet also mit Faktor eins statt mit Faktor drei. Springt er regelmäßig an, verdreifacht sich der Verbrauch für den Anteil, den er übernimmt.
Der entscheidende Punkt: In sauber geplanten Anlagen passiert das kaum. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat im Projekt „WP-QS im Bestand“ vier Jahre lang 77 Wärmepumpen in bewohnten Ein- bis Dreifamilienhäusern vermessen, davon 61 Luft-Wasser-Geräte. Ergebnis, veröffentlicht am 3. November 2025: Die Heizstäbe machten bei den Luft-Wasser-Anlagen nur 1,3 Prozent der elektrischen Arbeit aus. Die mittlere Jahresarbeitszahl lag bei 3,4, die Bandbreite bei 2,6 bis 4,9. Die untersuchten Häuser stammen aus den Baujahren 1826 bis 2001, und einen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz fanden die Messtechniker nicht.
Im Vorgängerprojekt fiel auf, in welchen Fällen der Heizstab überhaupt nennenswert lief: bei falscher Parametrierung, bei Defekten und bei der Legionellenschaltung im Warmwasser. Also bei Einstellungsfehlern, nicht bei Kälte. Ein Heizstab, der bei jedem Frost anspringt, ist ein Auslegungs- oder Einstellungsproblem.
Monatswerte richtig einordnen
Der häufigste Auswertungsfehler ist der Vergleich zweier Monate. Januar gegen Oktober sagt nichts, weil der Januar mehr als doppelt so viel Wärme braucht. Aussagekräftig sind drei andere Vergleiche.
- Gleicher Monat im Vorjahr. Dieselbe Jahreszeit, dieselbe Anlage. Ein Ausreißer nach oben ist ein echtes Signal.
- Verbrauch je Gradtag. Teilen Sie den Monatsverbrauch durch die Gradtagzahl des Monats. Der Wetterdienst und viele Stadtwerke veröffentlichen sie. Diese Kennzahl macht einen kalten Januar mit einem milden vergleichbar.
- Jahressumme gegen Erwartungswert. Wärmebedarf geteilt durch die geplante Jahresarbeitszahl. Liegt die Jahressumme mehr als 15 Prozent darüber, lohnt das Nachrechnen.
Lesen Sie den Zählerstand dafür monatlich am selben Tag ab, notieren Sie die Zahl und rechnen Sie erst am Ende der Heizperiode. Wer täglich schaut, sieht nur das Wetter.
Was den Winterverbrauch tatsächlich senkt
Der wirksamste Hebel ist die Vorlauftemperatur. Jedes Grad weniger bringt grob 2,5 Prozent Effizienz, und im Winter wirkt dieser Hebel am stärksten, weil dort die meiste Wärme durchläuft. Fünf Grad weniger Vorlauf sparen an einem Januar wie im Beispiel oben etwa 120 Kilowattstunden. Dafür müssen Wärme und Volumenstrom in jedem Raum stimmen, und genau das leistet der hydraulische Abgleich. Welche Vorlauftemperatur Ihr Haus wirklich braucht, klärt Vorlauftemperatur der Wärmepumpe.
Drei weitere Punkte kosten im Winter besonders viel, wenn sie falsch gesetzt sind. Eine Nachtabsenkung zwingt die Anlage morgens in einen Hochlauf mit hoher Vorlauftemperatur, ausgerechnet in den kältesten Stunden. Bei einer Wärmepumpe gehört sie in aller Regel abgeschaltet. Ein zu groß dimensionierter Pufferspeicher hebt die nötige Vorlauftemperatur zusätzlich an und verschenkt dauerhaft Effizienz. Und der Tarif entscheidet über die Rechnung, nicht über den Verbrauch: Zwischen einem guten Haushaltstarif und einem Wärmepumpentarif nach § 14a EnWG liegen rund sechs Cent je Kilowattstunde, gegenüber einem älteren Haushaltsvertrag deutlich mehr, siehe Wärmepumpenstromtarif: wann sich der Wechsel rechnet und So senken Sie die Stromkosten Ihrer Wärmepumpe.
Wann ein hoher Winterverbrauch ein Warnsignal ist
Es gibt Fälle, in denen der Verbrauch nicht nur hoch, sondern zu hoch ist. Diese Zeichen sprechen dafür:
- Die Jahressumme liegt mehr als 20 Prozent über dem Erwartungswert aus Wärmebedarf und geplanter Jahresarbeitszahl.
- Der Heizstab läuft messbar mit. Viele Regelungen zählen seine Arbeit getrennt, oft unter „Zusatzheizung“ oder „E-Heizer“.
- Die Anlage taktet, schaltet also an kalten Tagen häufiger als etwa dreimal pro Stunde ein und aus. Das deutet auf eine zu große Wärmepumpe hin.
- Einzelne Räume werden nicht warm, während andere überversorgt sind. Dann steht die Heizkurve zu hoch, um den schlechtesten Raum auszugleichen.
Alle vier Punkte sind Auslegungs- und Einstellungsthemen, keine Gerätefehler. Sie lassen sich im laufenden Betrieb korrigieren, und meistens beginnt das bei der Heizlast und den Heizflächen, nicht am Gerät.
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Zahlen im Rahmen liegen: Beim Wärmepumpen-Check sehen wir uns Verbrauch, Heizkurve und Auslegung gemeinsam an und sagen Ihnen, wo Ihre Anlage steht. Was der Betrieb übers Jahr kostet, rechnet Was kostet eine Wärmepumpe vor.

Stefan Kathmeyer
Wärmepumpen Spezialist
sk@waermepumpe-installateur.de
Beitrag erstellt am 11.09.2026
Beitrag bearbeitet am 07.10.2026