
Die kurze Antwort: Eine Photovoltaikanlage deckt im Einfamilienhaus etwa 20 bis 30 Prozent des gesamten Jahresstrombedarfs aus Haushalt und Wärmepumpe, mit Batteriespeicher rund 40 Prozent. Was sie nicht leisten kann, ist die Wärmepumpe durch den Winter zu tragen. Im Dezember und Januar zusammen liefert ein Süddach keine sechs Prozent seines Jahresertrags, und genau in diesen Monaten fällt der größte Teil des Heizbedarfs an.
Dass die beiden Anlagen gut zusammenpassen, steht auf dieser Seite schon länger: Wärmepumpe und Photovoltaik beschreibt das Prinzip. Hier geht es um die Zahlen dahinter, also um den Anteil, der tatsächlich zusammenkommt, und um die Frage, ob sich ein Batteriespeicher für den Heizstrom lohnt.
Warum die Rechnung mit Jahressummen in die Irre führt
Der übliche Vergleich sieht überzeugend aus. Ein Kilowatt Photovoltaik erzeugt in der Mitte Deutschlands auf einem 30 Grad geneigten Süddach rund 1.020 Kilowattstunden im Jahr, eine Anlage mit 10 kWp also etwa 10.000. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Einfamilienhaus braucht je nach Gebäude 3.000 bis 6.000 Kilowattstunden. Auf dem Papier trägt das Dach die Heizung also doppelt.
Der Vergleich stimmt nur, solange man den Kalender weglässt. Strom aus dem eigenen Dach ist nicht über Monate lagerfähig, und die beiden Anlagen haben ihren Schwerpunkt in entgegengesetzten Jahreshälften. So verteilt sich der Ertrag über das Jahr:
- Dezember rund 2,5 Prozent des Jahresertrags, Januar 3 Prozent, Februar knapp 5 Prozent
- Dezember bis Februar zusammen: 10,3 Prozent
- das gesamte Winterhalbjahr von Oktober bis März: 28,8 Prozent
Der Heizbedarf verläuft genau umgekehrt. Nach den üblichen Gradtagszahlen fallen allein auf Dezember, Januar und Februar rund 48 Prozent der Jahresheizarbeit. In den drei Monaten, die fast die Hälfte der Heizarbeit tragen, liefert das Dach also ein Zehntel seines Ertrags. Der Bedarf ist dort fast fünfmal so stark konzentriert wie die Erzeugung.
Diese Lücke ist keine Frage der Anlagengröße. Mehr Module bringen im Dezember prozentual genauso wenig wie wenige Module, weil nicht die Fläche fehlt, sondern das Licht.
Wie viel Solarstrom wirklich in der Wärmepumpe landet
Bei den Deckungsgraden, die im Netz kursieren, lohnt der Blick auf den Nenner. Manche Zahlen beziehen sich auf den gesamten Hausstrom, andere nur auf den Wärmepumpenstrom. Das erklärt, warum dieselbe Frage mit 20 Prozent und mit 70 Prozent beantwortet wird.
Belastbar ist die Einordnung der Verbraucherzentrale: Im Einfamilienhaus deckt eine Photovoltaikanlage ohne Speicher etwa 20 bis 30 Prozent des Jahresstrombedarfs für Haushalt und Wärmepumpe zusammen, mit Batteriespeicher rund 40 Prozent. Über 60 Prozent werden nur bei sehr niedrigem Stromverbrauch und sehr gutem Dämmstandard erreicht.
Eine Feldmessung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme kommt für den reinen Wärmepumpenstrom auf etwa 36 Prozent solare Deckung. Diese Zahl stammt allerdings aus einem einzelnen Gebäude mit Erdwärmepumpe, großer Photovoltaikanlage und großem Speicher. Als Erwartungswert für ein normales Bestandsgebäude mit Luft-Wasser-Wärmepumpe taugt sie nicht.
Vorsicht ist vor allem bei der oft zitierten Autarkie von 70 Prozent geboten. Sie gilt für Haushalte ohne Wärmepumpe. Sobald ein winterlastiger Verbraucher mit mehreren tausend Kilowattstunden dazukommt, nennt dieselbe Quelle nur noch 40 Prozent.
Der Denkfehler: Eigenverbrauch steigt, Autarkie sinkt
Zwei Kennzahlen werden in Verkaufsgesprächen regelmäßig vermischt. Die Eigenverbrauchsquote sagt, welcher Anteil des erzeugten Solarstroms im Haus bleibt statt ins Netz zu fließen. Der Autarkiegrad sagt, welcher Anteil Ihres Verbrauchs aus eigener Erzeugung kommt.
Eine Wärmepumpe hebt die erste Zahl und senkt meistens die zweite. Sie nimmt im Sommerhalbjahr Strom auf, der sonst eingespeist worden wäre, und sie erhöht im Winter den Netzbezug. Wer nur die steigende Eigenverbrauchsquote zeigt, verkauft eine sinkende Autarkie als Fortschritt.
Was ein Batteriespeicher ändert und was nicht
Ein Batteriespeicher verschiebt Strom von mittags in den Abend. Für den Haushalt ist das viel wert, weil Herd, Waschmaschine und Licht abends laufen. Für die Wärmepumpe ist der Gewinn kleiner, als es klingt, denn ein Speicher überbrückt Stunden und keine Monate. Im Hochwinter ist er am Abend leer, weil er tagsüber nicht voll geworden ist. Im Sommer wird er täglich voll, aber dann braucht die Wärmepumpe fast nichts.
Dazu kommen die Verluste. In einem typischen Haushalt fließen rund 1.500 Kilowattstunden im Jahr in den Speicher, nutzbar sind davon etwa 1.200. Die Differenz geht für Umwandlung, Standby und Tiefentladeschutz drauf. Als Größe reicht etwa 1,5 Kilowattstunden je 1.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch, der Speicher soll eine Nacht tragen und nicht den Winter.
Wann sich der Speicher rechnet
Die Rechnung hängt an einer einzigen Größe: der Differenz zwischen dem, was Sie für eine Kilowattstunde aus dem Netz zahlen, und dem, was Sie für eine eingespeiste bekommen. Nur diese Differenz verdient der Speicher.
Haushaltsstrom kostet 2026 im Mittel 37,0 Cent je Kilowattstunde, die Einspeisevergütung für neue Anlagen bis 10 kWp liegt bei 7,70 Cent. Jede gespeicherte und im Haushalt verbrauchte Kilowattstunde ist damit 29,3 Cent wert. Bei 1.200 nutzbaren Kilowattstunden im Jahr sind das rund 350 Euro. Ein Speicher mit 10 Kilowattstunden kostet installiert zwischen 300 und 700 Euro je Kilowattstunde, also 3.000 bis 7.000 Euro. Er ist damit nach etwa 9 bis 20 Jahren bezahlt.
Für die Wärmepumpe sieht dieselbe Rechnung deutlich schlechter aus. Wer sie über einen separaten Wärmepumpentarif betreibt, zahlt dort nicht 37, sondern etwa 21 Cent. Eine Solarkilowattstunde, die in die Wärmepumpe fließt, spart also nur rund 13 Cent statt 29. Ein Speicher, der überwiegend die Wärmepumpe bedient, käme damit auf 19 bis 45 Jahre. Bei einer Speicherlebensdauer, die für Wirtschaftlichkeitsrechnungen mit 10 bis 15 Jahren angesetzt wird, geht diese Rechnung nicht auf.
Der praktische Schluss: Entscheiden Sie den Speicher nach dem Haushaltsstrom. Trägt er sich darüber, ist der Beitrag zur Heizung eine Zugabe. Soll er sich über den Heizstrom rechnen, wird es dünn.
Was mehr bringt als jede Kilowattstunde Solarstrom
Bevor Sie über Module und Speicher nachdenken, lohnt der Blick auf die Wärmepumpe selbst. Ihr Verbrauch hängt vor allem an der Vorlauftemperatur. Als Faustregel spart jedes Grad weniger rund zwei Prozent Strom. Von 55 auf 45 Grad sind das etwa zwanzig Prozent.
Diese zwanzig Prozent wirken im Januar genauso wie im Mai. Der Solarstrom wirkt im Januar praktisch nicht. Deshalb ist die Reihenfolge in der Praxis fast immer dieselbe: erst die Heizflächen und den hydraulischen Abgleich in Ordnung bringen, die Anlage sauber auslegen und ohne unnötigen Pufferspeicher einbinden, danach über Photovoltaik reden.
Eine schlecht ausgelegte Wärmepumpe wird durch ein volles Dach nicht gut. Sie wird nur im Sommer billiger betrieben.
Der zweite Hebel: reduzierte Netzentgelte nach Paragraf 14a
Seit 2024 gelten Wärmepumpen mit mehr als 4,2 Kilowatt Anschlussleistung als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Im Gegenzug für das Steuerungsrecht des Netzbetreibers sinken die Netzentgelte. Es gibt zwei Wege, die sich gegenseitig ausschließen.
- Pauschale Reduzierung: ein fester Jahresbetrag, je nach Netzgebiet grob 100 bis 200 Euro. Sie brauchen keinen zweiten Zähler, die Entlastung greift nach der Anmeldung automatisch.
- Reduzierter Arbeitspreis: 60 Prozent Rabatt auf den Netzentgelt-Arbeitspreis, dafür ist ein separater Zähler nötig. Das lohnt sich ab etwa 4.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch und kann bei 6.000 Kilowattstunden auf rund 360 Euro kommen. Gegenrechnen müssen Sie das zweite Messentgelt.
Der separate Zähler ist zugleich die Voraussetzung für einen eigenen Wärmepumpentarif. Solche Tarife liegen 2026 bei etwa 21 bis 27 Cent und damit deutlich unter dem Haushaltsstrompreis, allerdings erst nach einem aktiven Anbieterwechsel. Was Sie im Gegenzug in Kauf nehmen: Der Netzbetreiber darf die Wärmepumpe in Spitzenzeiten in der Leistung begrenzen. Abschalten darf er sie nicht, mindestens 4,2 Kilowatt müssen stehen bleiben. Ein richtig ausgelegtes Haus merkt davon nichts. Mehr dazu steht in Stromkosten der Wärmepumpe senken und in Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe.
PV-Überschuss gezielt in die Wärmepumpe schicken
Damit der Solarstrom überhaupt in der Wärmepumpe landet, müssen die Anlagen miteinander reden. Üblich ist die SG-Ready-Schnittstelle mit zwei Kontakten und vier Betriebszuständen, angesteuert vom Wechselrichter oder einem Energiemanager. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass das Label allein für Zusammenspiel sorgt: Was die vier Zustände in der Wärmepumpe bewirken, legt der Hersteller fest, und die Regelfunktionen sind kaum standardisiert. Klären Sie vor dem Kauf, welche Komponenten Ihr Installateur tatsächlich zusammen in Betrieb genommen hat.
Ein Detail entscheidet über Erfolg oder Dauertakten: Die Schaltschwellen müssen sich auf den Überschuss am Netzanschlusspunkt beziehen, nicht auf die Leistung der Photovoltaikanlage. Und der Abstand zwischen Ein- und Ausschaltschwelle muss größer sein als die Leistungsaufnahme der Wärmepumpe. Sonst bricht der Überschuss in dem Moment ein, in dem die Wärmepumpe anspringt, und die Anlage schaltet sich im Minutentakt an und aus.
Die übliche Strategie, bei Überschuss die Solltemperaturen anzuheben und Wärme im Estrich oder im Warmwasserspeicher zu parken, kostet Effizienz: Die Messungen des Fraunhofer ISE zeigen etwa 4 Prozent im Heizbetrieb und knapp 6 Prozent beim Warmwasser. Der Gewinn aus dem verschobenen Eigenverbrauch liegt darüber, die Maßnahme trägt sich also. Sie trägt sich aber nur dann, wenn überhaupt Überschuss anfällt, und das ist im Sommerhalbjahr der Fall und nicht im Dezember.
Am besten passt deshalb das Warmwasser. Es fällt das ganze Jahr an, lässt sich problemlos in die Mittagsstunden legen und ist der Teil des Verbrauchs, der im Sommer übrig bleibt. Genau dort liegt der sinnvollste Anwendungsfall für die Kombination.
Was das für Ihre Reihenfolge bedeutet
Wenn beides ansteht, planen Sie die Wärmepumpe zuerst und richtig. Die Photovoltaik lässt sich danach jederzeit nachrüsten, das Dach läuft Ihnen nicht weg. Umgekehrt lässt sich eine zu hoch eingestellte Heizkurve mit Modulen nicht reparieren.
Bei der Förderung sind beide Anlagen ohnehin getrennt. Die Heizungsförderung zahlt auf die Wärmepumpe, Photovoltaik und Batteriespeicher stehen nicht auf der Liste der förderfähigen Heizungstechnik und zählen auch nicht als Umfeldmaßnahme. Für Photovoltaik gibt es bundesweit nur einen zinsgünstigen Kredit, keinen Zuschuss. Immerhin fällt auf Anlage und Speicher weiterhin keine Umsatzsteuer an.
Ein Hinweis zur Einspeisevergütung: Die genannten 7,70 Cent gelten für Anlagen, die bis Ende Januar 2027 in Betrieb gehen, danach sinkt der Satz turnusmäßig. Für 2027 liegt außerdem eine Reform im Gesetzgebungsverfahren, die die feste Vergütung für Neuanlagen ablösen soll. Das ist im August 2026 noch nicht beschlossen, gehört bei einer Planung über den Jahreswechsel hinaus aber auf den Zettel.
Was Ihre Anlage konkret braucht, hängt am Gebäude: Heizlast, Heizflächen, Dachfläche und Verbrauchsprofil. Diese vier Zahlen entscheiden, ob sich die Kombination bei Ihnen trägt. Wenn Sie wissen wollen, wo Sie stehen, machen Sie den Wärmepumpen-Check. Wir rechnen das durch und sagen Ihnen, was die Photovoltaik in Ihrem Fall beiträgt.

Stefan Kathmeyer
Wärmepumpen Spezialist
sk@waermepumpe-installateur.de
Beitrag erstellt am 26.08.2026
Beitrag bearbeitet am 26.08.2026