
Ein Wärmepumpen-Angebot ist gut, wenn Sie daran nachvollziehen können, wie die Anlage im Januar arbeiten wird. Dafür braucht es drei Dinge: eine raumweise Heizlastberechnung, eine erkennbare Speicher-Einbindung und eine vollständige Positionsliste. Fehlt eines davon, kaufen Sie eine Vermutung zum Festpreis. Die sieben Prüfpunkte auf dieser Seite gehen Sie in etwa zwanzig Minuten durch, auch ohne Fachwissen.
Unser Grundsatz dabei heißt Hydraulik vor Hardware. Welches Fabrikat auf der Außeneinheit steht, entscheidet weniger über Ihre Stromrechnung als die Frage, mit welcher Vorlauftemperatur die Anlage bei Frost läuft. Genau darüber schweigen die meisten Angebote.
Die Kurzfassung: was ein prüfbares Angebot enthält
Legen Sie Ihr Angebot daneben und haken Sie ab:
- eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 als eigene Position, nicht als Nebensatz
- die Heizleistung der Wärmepumpe mit Betriebspunkt, also zum Beispiel „11,6 kW bei A−7/W35“
- einen hydraulischen Abgleich nach Verfahren B, ebenfalls als eigene Position
- Pufferspeicher und Warmwasserspeicher getrennt ausgewiesen, jeweils mit Litern
- einen Mikroblasenabscheider und einen Schlammabscheider mit Magnetitfilter
- Rückbau und Entsorgung der alten Heizung, Wanddurchführung, Elektroanschluss, Heizwasseraufbereitung nach VDI 2035, Rohrdämmung nach GEG
- eine Förderaussage auf dem Stand ab 21. Juli 2026 (dazu Punkt 7)
Zwanzig Positionen und mehr sind bei einem seriösen Komplettangebot normal. Ein Einzeiler „Wärmepumpe komplett inklusive Montage“ ist kein Angebot, sondern eine Preisauskunft.
Was diese Leistungen ungefähr kosten
Weil genau diese Positionen gern fehlen oder unbeziffert bleiben, hier unsere eigenen Größenordnungen. Sie gelten für ein Einfamilienhaus üblicher Größe bis etwa 250 Quadratmeter Wohnfläche; bei größeren oder verwinkelten Gebäuden steigt der Aufwand für die raumweise Rechnerei entsprechend.
- Raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831: circa 450 Euro
- Hydraulischer Abgleich (die Berechnung): circa 450 bis 500 Euro
- Förderbegleitung (Antrag, Bestätigung nach Durchführung, Begleitung bis zur Auszahlung): circa 350 bis 450 Euro
- Tausch eines Thermostatventils gegen ein voreinstellbares: circa 79 bis 149 Euro je Ventil, je nach Betrieb und Zugänglichkeit
Diese Zahlen sind kein Preisspiegel für den Markt, sondern die Beträge, mit denen wir selbst rechnen. Sie taugen als Maßstab: Liegt ein Angebot deutlich darunter, lohnt die Frage, was dafür konkret geliefert wird. Fehlen die Positionen ganz, ist das Angebot nicht günstiger, sondern unvollständig.
1. Steht eine raumweise Heizlastberechnung drin?
Die Heizlast ist die Wärmeleistung, die Ihr Haus am kältesten Tag braucht. Raumweise berechnet heißt: für jeden Raum einzeln, aus Fläche, Bauteilen, Fenstern und Lüftung. Das ist die Grundlage für die Gerätegröße und dafür, ob Ihre vorhandenen Heizkörper die Wärme bei niedriger Vorlauftemperatur noch abgeben.
Der verbreitete Ersatz ist eine Faustformel über die Wohnfläche, etwa 70 Watt pro Quadratmeter. Damit kommt man bei einem 160-Quadratmeter-Haus auf 11 Kilowatt, während die echte Heizlast oft bei 7 bis 8 Kilowatt liegt. Diese Lücke bezahlen Sie zweimal: einmal beim Kauf des größeren Geräts und danach über den schlechteren Betrieb.
Prüfen Sie deshalb: Steht die Berechnung als bezahlte Leistung im Angebot? Wird ein Ergebnis in Kilowatt genannt? Wenn im Angebot nur die Wohnfläche und die Gerätegröße auftauchen, wurde nicht gerechnet, sondern geschätzt. Mehr dazu in unserem Beitrag zur präzisen Heizlastberechnung.
2. Ist die Wärmepumpe zu groß ausgelegt?
Zu groß ist der häufigste Auslegungsfehler, und er fühlt sich beim Lesen wie Sicherheit an. Eine überdimensionierte Wärmepumpe kann ihre Leistung an milden Tagen nicht weit genug herunterfahren. Sie schaltet dann ein, überheizt kurz, schaltet ab und beginnt von vorn. Dieses Takten kostet Strom und Lebensdauer beim Verdichter.
Zwei Zahlen im Angebot verraten die Auslegung. Erstens die Heizleistung mit Betriebspunkt: „8 kW“ allein ist wertlos, denn dieselbe Maschine liefert bei 7 Grad Außentemperatur deutlich mehr als bei minus 7 Grad. Aussagekräftig ist die Angabe bei A−7/W35, also minus 7 Grad Außenluft und 35 Grad Vorlauf. Zweitens der Modulationsbereich, also von wie wenig bis wie viel Kilowatt das Gerät regeln kann.
Als Orientierung: Die Heizleistung am Auslegungspunkt sollte in der Nähe der berechneten Heizlast liegen, nicht beim Doppelten. Ein Heizstab darf mitgeliefert sein, er darf aber nicht die Auslegung retten müssen.
3. Wie ist der Speicher eingebunden?
Das ist der Punkt, den fast niemand prüft, und er entscheidet über Ihre Jahresstromkosten mehr als jede Markenwahl. Es geht nicht um die Größe des Pufferspeichers, sondern darum, ob der Vorlauf der Wärmepumpe durch den Speicher hindurchgeführt wird oder an ihm vorbei.
Der in Deutschland übliche Weg ist der Trennspeicher, auch hydraulische Weiche oder Parallelpuffer genannt: Das gesamte warme Wasser läuft in den Speicher und wird von dort ins Haus verteilt. Dabei mischt es sich mit kühlerem Wasser. Aus 55 Grad, die die Wärmepumpe liefert, werden im Heizkreis 49 oder 50 Grad. Diesen Übergabeverlust von etwa 5 bis 6 Kelvin muss die Wärmepumpe vorhalten, also von Anfang an heißer fahren.
Und Temperatur ist bei einer Wärmepumpe Geld: Jedes Kelvin zusätzlicher Temperaturhub kostet ungefähr 2,5 Prozent Mehrverbrauch. Fünf Kelvin sind damit rund 12,5 Prozent, sechs Kelvin rund 15 Prozent höhere Stromkosten im Jahr, bei identischem Gerät. Die Alternative ist ein Speicher mit direkter Vorlaufführung, im Fachjargon Stichanbindung: Der Vorlauf geht direkt ins Heizsystem, der Speicher hängt daneben und liefert nur die Wassermenge fürs Abtauen. In der Schweiz ist das der gängige Weg: Der dortige Branchenstandard für Wärmepumpen bis etwa 15 Kilowatt lässt nur freigegebene hydraulische Schaltungen zu, und der Trennspeicher ist keine davon. Da die meisten Kantone diesen Standard zur Förderbedingung machen, wird er dort praktisch nicht gebaut.
Fragen Sie deshalb schriftlich nach: Läuft der Vorlauf durch den Speicher oder daran vorbei? Welches hydraulische Schema wird gebaut? Eine klare Antwort erkennt man daran, dass sie eine Skizze enthält. Wie groß der Speicher überhaupt sein muss, klärt unser Beitrag Braucht eine Wärmepumpe einen Pufferspeicher?.
4. Hydraulischer Abgleich: enthalten und nach Verfahren B?
Der hydraulische Abgleich verteilt das Heizwasser so, dass jeder Raum die Menge bekommt, die er braucht. Ohne ihn nimmt das Wasser den kürzesten Weg, die entfernten Räume bleiben kühl, und man dreht die Vorlauftemperatur hoch, bis auch der letzte Raum warm wird. Bei einer Wärmepumpe ist das der teuerste Fehler überhaupt, weil die Effizienz an der Vorlauftemperatur hängt.
Zwei Details verraten die Qualität. Erstens das Verfahren: Verfahren A schätzt die Heizlast pauschal, Verfahren B rechnet raumweise. Für eine Wärmepumpe taugt nur B, und die BEG-Förderung verlangt Verfahren B oder ein gleichwertiges, zertifiziertes Verfahren. Zweitens die Ventile: Voreinstellbare Thermostatventile sind Voraussetzung dafür, dass man überhaupt etwas einstellen kann. In Altbauten fehlen sie oft. Ein sauberes Angebot sagt, was der Tausch je Ventil kostet, statt die Frage offen zu lassen und später nachzufordern. Als Orientierung: Wir rechnen mit circa 79 bis 149 Euro je Ventil, je nach Betrieb und Zugänglichkeit.
5. Luft und Schmutz: die beiden Abscheider
Zwei kleine Positionen, an denen sich Sorgfalt zeigt. Ein Mikroblasenabscheider im Vorlauf holt gelöste Luft aus dem Heizwasser. Luft im System führt zu Korrosion, Strömungsgeräuschen und Leistungsverlust am Wärmetauscher. Ein Schlammabscheider mit Magnetitfilter im Rücklauf fängt Rostpartikel und Magnetit ab, bevor sie in Pumpe und Wärmetauscher gelangen.
Luft und Schmutz sind zwei verschiedene Schadensbilder, deshalb gehören beide Geräte hinein, nicht nur eines. In unseren Angeboten stehen sie als zwei eigene Positionen. Zusammen kosten sie einen dreistelligen Betrag und verhindern Schäden im vierstelligen Bereich. Fehlen beide, lohnt die Frage, was noch fehlt.
6. Positionen, die häufig fehlen
Diese Leistungen fallen bei fast jedem Heizungstausch an. Stehen sie nicht im Angebot, sind sie nicht weg, sondern kommen als Nachtrag:
- Rückbau und Entsorgung des alten Kessels samt Pumpengruppen und Verrohrung
- Wanddurchführung für Heizungsrohre und Steuerleitung, fachgerecht abgedichtet
- Elektrischer Anschluss der Wärmepumpe. Bei dreiphasigen Geräten zusätzlich die Frage, ob der Zählerschrank das mitmacht
- Heizwasseraufbereitung nach VDI 2035, also Befüllung mit aufbereitetem Wasser gegen Kalk und Korrosion
- Dämmung der Heizungsrohre nach GEG in unbeheizten Räumen
- Ausdehnungsgefäß, Füllblock mit Systemtrenner, Antivibrationssockel für die Außeneinheit
- Inbetriebnahme und Einregelung vor Ort, mit Übergabe der Einstellwerte
- Rohrlänge zwischen Außen- und Inneneinheit: bis wie viele Meter ist im Preis, was kostet jeder weitere
Und noch etwas, das kein Materialposten ist: Der Preis sollte für einzelne Komponenten nachvollziehbar sein. Wenn Außeneinheit, Inneneinheit, Pufferspeicher und Warmwasserspeicher als ein Block „Wärmepumpen-Set“ erscheinen, können Sie zwei Angebote nicht vergleichen, weil Sie nicht wissen, welche Speichergrößen dahinterstehen.
7. Die Förderaussage verrät das Alter des Angebots
Seit dem 21. Juli 2026 gelten neue Bedingungen der KfW-Heizungsförderung. Daran lässt sich ein Angebot sehr schnell datieren. Diese Werte sind aktuell:
- 30 Prozent Grundförderung für alle Eigentümer
- 16 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus für selbstnutzende Eigentümer, zusammen also 46 Prozent. Bei Öl-, Kohle-, Gasetagen- und Nachtspeicherheizungen ohne Altersgrenze, bei Gaszentral- und Holzheizungen ab 20 Jahren
- Einkommensbonus 40, 30 oder 10 Prozent je nach zu versteuerndem Haushaltseinkommen (bis 30.000, bis 40.000, bis 50.000 Euro), nachzuweisen per Steuerbescheid
- höchstens 80 Prozent in der Summe, bezogen auf förderfähige Kosten von 28.000 Euro für die erste Wohneinheit, also maximal 22.400 Euro Zuschuss
Die üblichen Stufen sind damit 30, 46, 56, 76 und 80 Prozent. Die 56-Prozent-Stufe wird oft übersehen, sie betrifft Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen zwischen 40.000 und 50.000 Euro.
Steht in Ihrem Angebot dagegen „bis zu 70 Prozent“, ein „Effizienzbonus“ von 5 Prozent für das Kältemittel R290 oder ein Kostendeckel von 30.000 Euro, dann rechnet es nach den alten Regeln. Der Effizienzbonus ist entfallen. Ein Angebot sollte außerdem keinen festen Förderbetrag versprechen, ohne Eigentums- und Nutzungsverhältnis, Alter der alten Heizung und Einkommensstufe zu kennen. Und der ausgewiesene Preis sollte der Preis vor Förderung sein, damit Sie zwei Angebote vergleichen können. Was für Sie herauskommt, rechnen Sie mit dem Förder-Check nach.
Was darf das Ganze kosten?
Für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Bestand liegt ein vollständiges Komplettangebot inklusive Montage in der Größenordnung von 30.000 Euro, je nach Heizlast, Speichern und Zustand der Anlage. Erdwärme liegt wegen der Bohrung deutlich darüber. Die Bandbreite der einzelnen Blöcke haben wir unter Was kostet eine Wärmepumpe? aufgeschlüsselt.
Ob Ihr konkreter Preis in diesem Rahmen liegt, ordnen Sie mit dem Ratgeber Ist mein Wärmepumpen-Angebot zu teuer? ein.
Wichtiger als der Endbetrag ist die Verteilung. Ein auffällig günstiges Angebot ist meistens nicht billiger, sondern kürzer: Es fehlen Heizlastberechnung, Abgleich, Abscheider, Rückbau und Wasseraufbereitung. Rechnen Sie diese Leistungen gedanklich hinzu, und der Preisvorteil verschwindet, während das Risiko bleibt.
Drei Warnsignale
Der Preis gilt nur heute. Bei einer Investition dieser Größe ist Zeitdruck ein Verkaufsmittel, kein Sachargument. Fördermittel sind an Programme gebunden, nicht an Unterschriftstermine.
Niemand war im Haus oder hat Fotos verlangt. Ohne Blick auf Heizkörper, Verteilung und Aufstellort ist die Auslegung geraten. Für eine erste Einordnung genügen Fotos und Ihre Verbrauchsdaten, für ein verbindliches Angebot nicht.
Auf Fragen kommen Ausweichantworten. „Das machen wir vor Ort“ ist bei der Speicher-Einbindung und beim Abgleich keine Antwort. Beides muss vor der Bestellung geplant sein, sonst steht später die Hardware im Weg.
So gehen Sie jetzt vor
Gehen Sie die sieben Punkte durch und markieren Sie, was in Ihrem Angebot fehlt. Schicken Sie die Lücken als Frageliste an Ihren Anbieter, schriftlich. Der Umgang mit dieser Liste sagt oft mehr über den Betrieb als das Angebot selbst.
Wenn Sie eine zweite Meinung möchten: Laden Sie Ihr Angebot direkt hier unten hoch. Sie erfahren, welche Positionen fehlen, ob die Auslegung zur Heizlast passt und welche Förderstufe für Sie realistisch ist. Der Prüfbericht ist kostenlos und kommt schriftlich innerhalb von 48 Stunden; Ihr Angebot löschen wir nach der Prüfung. Wollen Sie stattdessen vergleichbare Angebote, führt der Angebotsvergleich dorthin.
Und wenn bereits zwei Angebote auf dem Tisch liegen: Wie Sie sie sauber nebeneinanderlegen, zeigt der Ratgeber Wärmepumpen-Angebote vergleichen: so geht es richtig.
Stefan Kathmeyer hat über 1200 Wärmepumpen-Planungen begleitet und erklärt die Technik dahinter auf dem YouTube-Kanal @Heizungsfuchs24.

Stefan Kathmeyer
Wärmepumpen Spezialist
sk@waermepumpe-installateur.de
Beitrag erstellt am 17.08.2026
Beitrag bearbeitet am 31.08.2026